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Eine schlechte Geschichte
  

Gegen die Zeit

eine schlechte Geschichte von Karin Rohner

In der Cafeteria im oberen Stockwerk
trifft sie ihn, den attraktiven Mann,
der die Maske nach Belieben wechselt.
Von Alt auf Jung. Von Schwarz auf Weiß.
Er toleriert, dass sie im selben Zimmer atmet.
Sein Trick: Er stellt ihr Aufgaben, die sie unmöglich lösen kann.
Im ganzen Haus liegen sie herum, die unbewältigten Arbeiten.

Die Mitgefangenen
in ihrer Arglosigkeit dürfen abends noch nach Hause,
während sie, die sie sein Spiel durchschaut,
das Gebäude nicht mehr verlassen kann.
Versucht sie, aufzubegehren, bedroht er andere, Schwächere mit der Waffe,
die jene aber nicht wahrzunehmen scheinen.
Gern würde sie jemanden einweihen.
Doch bei den Mitarbeitern gilt sie als Querolantin.
Zum Arbeiten, Essen, Leben bleibt ihr keine Zeit.
Sie ist hauptberuflich damit beschäftigt, alle Klippen zu umschiffen,
eventuellen Anfeindungen aus dem Weg zu gehen.

Die Jahre der Gefangenschaft
haben den ohnehin losen Kontakt zur Außenwelt nicht eben gefördert.
Eingesponnen in ihren Kokon, behütet von einem fürsorglichen Gefährten,
der sein Gesicht nicht zu verbergen braucht, so normal wirkt er auf Außenstehende,
fröstelt sie vor sich hin.

Eines Tages wird die Gemeinschaft von außen unterwandert.
Es kommt zum offenen Schlagabtausch.

Schüsse fallen.
Sie schleppen Kinder herbei als Geiseln.
Der Aufruhr verschafft ihr einen Vorteil - der Meister ist abgelenkt von ihrer Person.
Sie verbringt glückliche Tage, eingekeilt zwischen Eisschrank und Küchenherd,
liegend, knieend, wartend - von Schmerzen gezwungen, sich aufzurichten -
um in einem unbeobachteten Augenblick zurückzutauchen in die Sicherheit,
mit Sicht auf zänkische Füße, stampfende Beine -
aus deren Stellung zueinander sie das Geschehen in Leib-, Brust- und Augenhöhe
abzulesen versucht.

Während eines Handgemenges
lässt sie sich aus dem leichtsinnigerweise geöffneten Fenster fallen.

Es regnet in Strömen.
Sie stolpert über den aufgeweichten Rasen, den weiten Kirchplatz,
Ziel für jedermanns Angriffe. Doch die Meute geht auf in eigenen Streitereien.
Niemand bemerkt ihre Flucht.

Ein flaches, halbfertiges Gebäude -
der Vorhof steht unter Wasser. Polizisten, beschäftigt mit Exerzieren und Uniformieren.
Eine einsame Gesetzeshüterin, auf einer Bank, in einer provisorischen Zelle.
Noch bevor sie das Ungeheuerliche aussprechen kann - von Fern ein Riesen-Hallo.
Zwei Wagen, festlich geschmückt, bahnen ihren Weg durch die Wasserlachen.
An Bord johlende, winkende Insassen.
Kostümiert und maskiert, stürmen sie das Gemäuer.
Sie ruft: Das sind sie doch, denen ich zu entkommen versuchte!
Insektengleich, schwärmen sie aus, besetzen jede Wabe.

Ein niedriger Raum.
In der Mitte plattformartige Kühlaggregate.
Übermorgen werden wir alle erfroren sein, erklärt der Meister,
der sich blindlings vervielfältigt hat, keine eigene Gestalt mehr benötigt.
Raureif an den Wänden unterstreicht seine Prophezeiung.

Langsam torkeln sie vorbei. Clownsfiguren -
arglos lachend, hinterlassen sie ihren Eindruck in Form eines Vexierbildes auf dem Esstisch,
beugen sich unbekümmert über das eigene Konterfei und das ihrer Komplizen.

Sie tippt mit dem Taschenspiegel auf jedes einzelne Abbild:
Fällt euch denn gar nichts auf?
Das seid doch nicht ihr.
Diese Wesen ohne eigene Mimik. Warum gebt ihr euch damit zufrieden?

Die Fratzen verwandeln sich unter ihren Blicken in Äpfel, Birnen, Orangen,
ein jedes mit seiner gleichen eingefrorenen Schale.
Durch die vergitterten Fensterhöhlen schimmert dunkel das Erdreich.


Begnadigt.
Gebrochen an Körper und Seele hat sie die Stellung als Assistentin ihres namenlosen
Peinigers akzeptiert.
Sehen kann sie ihn nicht mehr.
Nur spüren - in der Luft, die sie atmet. Im Raum. Und tief im Herzen.

Während sie sich innerlich verzehrt, lässt sie die Blicke schweifen -
aus dem Fenster des obersten Stockwerks - über den Garten, die Bäume...
Gelangweilt verfolgt sie das stete Werden und Sterben im Wechsel der Jahreszeiten.
Schickt ihre Gedanken weit hinaus.

Du sitzt schon wieder da und träumst, sagt er.
Einen Penny für deine Gedanken...

 
Karin Rohner 2007
©  

P.S.: Leider war diese Geschcihte nicht schlecht genug und hatte darum in der "Nacht
der schlechten Texte 2007" in Villach keine Chance. Sie kam nicht mal in die engere
Wahl...



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